Schuld ist mein Vater

„Papa hat uns verlassen. Deshalb ist er für mich schuld daran, dass es Mama und uns Kindern so schlecht geht.

Papa und Mama sind seit 18 Jahren verheiratet. Ich bin 17 Jahre alt und mache eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Mein Bruder ist 13.

Mama und Papa haben oft miteinander gestritten. Ständig waren sie sich über irgendetwas uneinig. Mal ging es darum, wie viel Haushaltsgeld Mama braucht. Dann wieder, wie lange Papa auf der Arbeit ist, also ständig Überstunden macht und immer wieder `Hier´ schreit, wenn es um Sonderschichten geht. Sie stritten darüber, dass Papa zu Hause nur müde ist, mit uns nichts unternimmt und wir Kinder immer leise sein müssen. Mama weinte oft, weil sie so gerne auch mal mit Papa alleine oder mit uns allen zusammen ausgegangen wäre oder wir alle Schönes erlebt hätten. Aber da er ja immer nur müde war und `auf dem Geld saß und bis heute sitzt´, ging das nicht. Papa ließ sich auf Mama nie ein. Im Gegenteil: Er drehte den Spieß um und machte ihr den Vorwurf, sie gäbe für jeden Mist sein schwer verdientes Geld aus. Außerdem sei kein Geld für Ausflüge oder Restaurantbesuch drin, weil Mama ja unbedingt die große Mietwohnung haben wollte; eine kleinere hätte auch gereicht. Und außerdem würde Mama das Geld für völlig unnötiges Zeug nur so aus dem Fenster werfen. Wenn er sich allein schon die viele Kosmetik im Bad ansähe, käme ihm schon die Galle hoch. Und ihr völlig überfüllter Kleiderschrank, die vielen Schuhe und Handtaschen, das alles sei absolut unnötig. Diese Argumente brachten dann Mama noch mehr auf die Palme. Sie hielt ihm also im Gegenzug wieder vor, dass er in der Kneipe für sein wöchentliches Skat- und Dartspielen, verbunden mit vielen Bieren, jeden Monat mehrere 100 Euro ausgebe, die ihr und uns allen dann fehlten. So schaukelte sich jeder Streit enorm hoch.

Es gab eigentlich nichts, worüber meine Eltern nicht stritten. Wenn ich das hörte, ging ich auf mein Zimmer, schloss die Türe, setzte mir die Kopfhörer auf und hörte Musik. Sobald ich einen Grund hatte, die Wohnung zu verlassen, war ich weg. Bloß raus hier!

Letztendlich kam es schließlich zur Trennung. Papa zog aus. Mama war am Boden zerstört. Sie tat mir so leid. Papa zahlte weiter unsere Miete und für uns Kinder gab er Mama 1.100 Euro. Für alles andere hatte Mama aber selber zu sorgen. Das hieß, sie sollte Arbeiten gehen.

Ich traf Papa in der Stadt. Wir aßen eine Kleinigkeit zusammen, gingen spazieren und unterhielten uns. Papa erklärte mir die Eheprobleme aus seiner Sicht. Das hörte sich ganz anders an, als aus Mamas Mund. Er blieb bei seiner Meinung, nicht mehr nach Hause zu kommen.

Nach drei Wochen kam Papa zu Besuch und beide sprachen sehr lange miteinander. Er war gekommen, um mit Mama zu einer  Einigung zu finden, doch zu der kam es nicht. Es blieb bei der Trennung. Dennoch bot er Mama an, dass sie beide einen Mediator aufzusuchen sollten, was Mama aber ablehnte. Warum, das weiß ich nicht.

Papa rief öfter mal bei uns an, um sich nach uns Dreien zu erkundigen. Fünf Monaten später zog er dann doch wieder bei uns ein. Es wurden Regeln miteinander vereinbart, in die auch wir Kinder einbezogen waren. Aber Papas Rückkehr war nur von kurzer Dauer. Nach zwei Wochen ging alles wieder von vorne los. Streit, Streit, Streit. Jetzt riss Papa der Geduldsfaden, wie er es ausdrückte, und zog endgültig aus. Seine kleine Wohnung hatte er vorsichtshalber noch nicht gekündigt gehabt. Er wollte nun aber nicht nur die Trennung, sondern die Scheidung. Für uns Kinder käme er allumfassend auf, jedoch nicht für Mama.

Auf Papa bekam ich eine stink Wut. Er sollte doch nicht so tun, als wäre nur Mama schuld an dieser Situation gewesen. Sie hatte doch Recht mit so mancher Kritik. Wo war er denn, wenn wir ihn brauchten? Entweder auf der Arbeit, oder er schlief, weil er müde war. Zweimal in der Woche war er abends weg. Einmal war er stundenlang beim Skatspiel, das andere Mal beim Dartspiel in der Kneipe nebenan. Von dem, was er da ausgab, hätte er nun wirklich mal mit Mama ins Theater, ins Kino oder richtig schön Essen gehen können. Wenn er mit seinen Kollegen am Samstag im Fußballstadion war, hatte er seinen Spaß. Und wir? Hatte er uns einmal mitgenommen? Nein! Verlor sein Verein, durften wir anschließend seine schlechte Laune ertragen. Im Urlaub saß er entweder den ganzen Tag am Strand oder Hotelpool, guckte sich die schönen Frauen an oder saß an der Hotelbar und schwang lautstarke Reden. Gemeinsame Tagesausflüge? Fehlanzeige. Nicht Papa spielte mit uns, oder baute, als wir noch klein waren, mit uns Sandburgen, sondern Mama. Für Mama und uns hatte er sich doch nie so wirklich interessiert. Sollte Mama mal mit Papa reden, weil einer von uns einen besonderen Wunsch hatte, schob sie dieses Gespräch immer wieder auf. Mama hatte nämlich Angst davor, dass es mal wieder eine riesen Diskussion mit Papa geben würde, die wahrscheinlich im Streit endete. Papa war nämlich ein Rechthaber und Nein-Sager ersten Ranges. Da konnte ich Mama gut verstehen. Und heute schob er alle Schuld auf sie? Konnte er eigentlich endlich mal begreifen, dass nicht immer nur andere Schuld haben, sondern er ganz maßgeblich an der heutigen Situation beteiligt ist?

Wer ging seit der Trennung meiner Eltern mit Mama und Bruder ins Kino, Restaurant, Theater, Freibad, in den Trampolinpark, … und bezahlt? Ich. Und warum mache ich das? Weil ich wollte, dass wir Drei endlich mal wieder wirklich schöne Dinge miteinander unternahmen und erlebten. Ich machte das, wofür eigentlich mein Vater zuständig gewesen wäre, nämlich Liebe und Aufmerksamkeit zu schenke und gemeinsam richtig viel Spaß zu haben.

Manchmal habe ich mich schon gefragt, warum Papa überhaupt Kinder wollte, wenn er sich doch um uns kaum kümmerte. Warum hatte er überhaupt geheiratet, denn verheiratet war und ist er mit seiner Arbeit. Soviel Zeit und Interesse, wie er da investierte, hatte er bei weitem nicht für seine eigene Familie. Was war und ist das eigentlich nur für ein Ehemann und Vater? Schrecklich!  

Ich suchte nach Hilfe für mich und fand Ellens Praxis im Internet. Ihr erzählte ich das alles und noch Vieles mehr. Bei ihr konnte ich meine ganze Verärgerung, Wut und Enttäuschung loswerden. Sie bewerte nichts. Das war für mich sehr befreiend.

Wir analysierten beispielhaft einige dieser vielen Situationen im Einzelnen. Dazu wählte Ellen jene aus, an Hand derer ich die verschiedensten Strukturen und Zusammenhänge, die es in unserer Familie gab, erkennen konnte. Sie unterstützte meinen Bewusstwerdungsprozess zudem mit einer Familienaufstellung. Unterschiedliche Rollenspiele sowie die eigenständige Zusammenstellung der Strukturen und Erkenntnisse per Flipchart ergänzten meinen gedanklichen und emotionalen Veränderungsprozess. Mit verschiedenen Gegenständen erstellte ich ein Situationsbild zu meiner Person innerhalb meiner Familie. Daraus erarbeitete ich meine Wünsche und Ziele für meine Zukunft.

Letztendlich objektivierte Ellen meine Sicht. Sie machte mir bewusst, dass Vater keine Schuld im eigentlichen Sinne trägt. Vielmehr hatten Mama und Papa es nicht vermocht, gemeinsam Lösungen für all die unterschiedlichen Problemlagen zu finden. Und ich erkannte, dass Papa mehrfach versucht hatte, dass wir eine Familie bleiben. Das hatte ich bei all den vielen Streitigkeiten und meiner Wut auf ihn völlig übersehen.

Sie verdeutlichte mir auch, dass nicht ich die Aufgabe hatte, seit der Trennung meiner Eltern dafür zu sorgen, dass es uns Dreien gut geht. Mama und Papa waren diejenigen, die in der Position unserer Versorger sind und dies eben auch im emotionalen Bereich, nicht ich. Ich verstand, dass mein ganzes Handeln viel damit zu tun hatte, mich als derjenige darzustellen, auf den Verlass war, der sich kümmerte. Und eigentlich, ja, damit hatte Ellen ebenfalls Recht, ging es mir darum, Papa schlechter dastehen zu lassen. Zwischen ihm und mir war eine Art Konkurrenzkampf ausgebrochen, über den ich meine Wut auf ihn und auch meine eigenen Verletzungen abarbeitete. …

Ich bat meine Eltern und meinen Bruder, mit mir zur Ellen zu gehen, damit auch sie einen Weg für sich selbst und wir zusammen eventuell auch einen wieder gemeinsamen Weg finden konnten. Zu meinem Erstaunen taten sie es, denn als ich mit ihnen das Gespräch suchte, waren meine Eltern völlig perplex, wie sehr ich gelitten haben musste, dass ich diesen Weg wählte. Sie fühlten, wie ernst, wie todernst es mir war und mein Bruder unterstützte mich sofort in diesem Gespräch. So kam es, dass wir als Familie bei Ellen Rat suchten. Heute sind wir endlich wieder eine wirkliche Familie. Es war für jeden von uns ein schmerzhafter, aber letztendlich heilsamer Prozess.

Was die Behandlung bei Ellen so besonders, so außergewöhnlich und sehr wirkungsvoll machte, ist ihre Verbindung von Körper und Seele. Jeder von uns bekam seine ganz individuellen Massagen, die Ellen thematisch, bedürfnisorientiert und zielgenau anwendete – und glaubt mir, die bewirken wahre Wunder. Hierzu informiert euch bitte auf ihrer Homepage.