Ich traue mich nicht, meiner Frau - anderen Personen meine Meinung zu sagen.

"Immer dann, wenn meine Frau oder Dritte eine andere Meinung haben, als ich, oder wenn sie ein Verhalten zeigen, was mir so gar nicht gefällt, habe ich Angst, dass die anderen bessere Argumente haben als ich. Oder ich befürchte, dass sie mich nicht mehr mögen, wenn ich meine Meinung sage oder sogar wagen würde, sie durchzusetzen.

Widerworte zu geben, das kann ich nicht, weil ich dann Angst habe, die positive Zuwendung zu verliere. Das war schon immer so. Schon als Kind traute ich mich nicht, meine Meinung zu sagen, sondern gab klein bei. So hatte ich dann tatsächlich auch weniger Schwierigkeiten mit anderen.

Ganz besonders schlimm ist es, wenn ich jemanden liebe, so wie z.B. meine Frau. Dann habe ich ein noch größeres Problem, denn ich möchte nicht ihre Liebe zu mir verlieren.

Meine Frau wird bei Diskussionen gerne auch mal lauter oder verlässt einfach den Raum und lässt mich da sitzen. Das Gespräch ist dann beendet und letztendlich wird gemacht, was sie möchte. Ich bin in unserer Beziehung einfach der schwächere Part – das war immer schon so. Schon als Kind gab ich lieber nach, als mich auf ein Streitgespräch einzulassen.

Um einen Konflikt zu vermeiden oder um meine Meinung nicht sagen zu müssen, versuche ich immer, in den  Gesprächen herauszufinden, welche Meinung der andere zu dem jeweiligen Thema hat. So kann ich mich dann auf diese Meinung einstellen und nach Argumenten suchen, die diese Meinung unterstützen.

Oft höre ich jedoch die Frage: „Hast du auch mal eine eigene Meinung zu der Sache?“. Sogleich fühle ich mich ertappt, kann das aber nicht zugeben. Ich weiß ganz genau, worauf die Frage abzielt, aber ich kann nicht wirklich meine Meinung sagen. Ich „eier“ dann herum, um mich bloß nicht festzulegen, denn irgendwie will ich dem anderen gefallen. Ich möchte, dass er sich bei mir wohl fühlt, indem ich ihn in seiner Meinung oder seinem Verhalten unterstütze.

Es ist wie ein anbiedern, ein gefallen wollen. Was ich dabei völlig vernachlässige, das bin ich selbst.

Über einen Arbeitskollegen erfuhr ich von Ellens Praxis und ging zu ihr. Ich war ganz schön aufgeregt, denn vor mir saß ja sozusagen eine Art Stellvertreterin für meine Ehefrau. Aber meine Sorge war völlig unbegründet. Sehr einfühlsam und vorsichtig kamen wir in unseren Gesprächen meinem Hauptproblem immer näher. Dies stand, wie schon gesagt, auch im Zusammenhang mit meiner Kindheit und Erziehung. Mit Hilfe einer Familienaufstellung, machte ich mir bewusst, wo ich stand, warum das so war, wie ich mich in diese Rolle hinein gefügt hatte und vieles mehr.

Mit verschiedenen Gegenständen legte ich eine Art „Bild“, dass meine jetzige Situation darstellte und wir überlegten gemeinsam, was sich wie ändern wird, um in der Lage zu sein, meiner Frau und anderen Menschen meine Meinung liebevoll sagen zu können.

Wir sprachen über meine Veränderungswünsche, Bedürfnisse, Ziele und übten in verschiedenen Kommunikationssituationen ein, wie ich meine Meinung mitteilen kann sowie gehört und ernstgenommen werde. Meine Angst vor Zurückweisungen wurde dabei immer kleiner. Insgesamt änderte sich meine Art der Kommunikation grundlegend und die Ängste waren weg.

Verschiedene Massagen ergänzten meine Beratung. Sie lösten meine ängstlichen Gedanken, meine Muskulatur und ließen mich eine ganz andere Körperhaltung einnehmen. Meine Ausstrahlung war viel sicherer geworden und ich trat anderen Menschen gegenüber viel bewusster und zielstrebiger auf. Das hatte sehr positive Auswirkungen auf meine Art der Kommunikation und Meinungsäußerung.

Meine Frau, Freunde, Kollegen spürten recht schnell diese Veränderungen und ich fühlte mich sehr wohl. Meine ursprünglichen Ängste, die Liebe und das Wohlwollen meiner Frau zu verlieren, waren völlig unbegründet. Im Gegenteil: Die Beziehung zw. meiner Frau und mir wurde innig und gefühlsmäßig offen. Unsere Zweisamkeit und Liebe profitierten von meinen Veränderungen erheblich. Auch im Berufsleben und Freizeitbereich wurde meine Kommunikation vielseitiger, klarer, sicherer und jeder staunte, wie souverän ich meine Meinungen mitteilte.“