Der Tod meiner Mutter

Der Tod meiner Mutter war schrecklich. Sie starb völlig unerwartet. Hätte mir jemand drei Tage vorher gesagt, dass sie stirbt, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Sie stand mitten im Leben und nichts, aber auch gar nichts deutete auf dieses Schicksal hin. Doch dann kam aus heiterem Himmel der erste Schlaganfall. Im Krankenhaus wiederholte sich genau derselbe Schlaganfall noch einmal und sie bekam einen weiteren, also dritten Anfall, diesmal aber an einer anderen Stelle im Gehirn.

Mama konnte nicht mehr sprechen und war rechtsseitig gelähmt. Nach zwei Tagen wirkten keinerlei  Medikamente mehr, sodass uns der Chefarzt am dritten Tag auf ihren Tod vorbereitete.

Papa und ich saßen an ihrem Bett, ihr Mund war leicht geöffnet und wir hörten sie röcheln. Ab und zu kam eine Krankenschwester ins Zimmer, um ihr den Schleim abzusaugen und ihr die Mundhöhle zu befeuchten. Wir konnten zusehen, wie ihr Gesicht immer älter wurde. Als sie starb, sah sie aus wie 100, nicht aber wie 83.

Sie schlief. Dafür sorgten die Medikamente. Doch fast genau eine Stunde, bevor Mama starb, riss sie ihre Augen weit auf und ihr Oberkörper bäumte sich etwas hoch, so als würde man sie an ihrem Nachthemd in Brusthöhe hochheben wollen. Sie nahm einen tiefen Atemzug, starrte diagonal an die Zimmerdecke und blieb anschließend wieder ganz ruhig und immer noch mit geöffneten Augen liegen. Erschrocken stand ich auf, sprach sie an, hielt mein Gesicht direkt vor ihres, schaute ihr in ihre Augen und bemerkte sofort, dass diese Augen nichts mehr sehen. Sie waren wie tot. Der Glanz war weg. Als wären es Knöpfe, so schien es mir. Ganz, ganz langsam schlossen sich ihre Augenlider. Später erfuhr ich, dass etwa eine Stunde vor dem physischen Tod die Seele geht und diese Reaktion immer wieder ähnlich ist. Da lag also nur noch ihr Körper und die Organe arbeiteten weiter, während ihre Seele bereits gegangen war.  

Nachts gegen 03.15 Uhr warteten Papa und ich auf ihren nächsten Atemzug, doch der kam nicht mehr. Um 03.27 Uhr erfuhren wir dann, dass Mama tot ist, was aber noch ein weiterer Arzt bestätigen musste.

Ich heulte wie ein Schlosshund und konnte mit der Situation nicht umgehen. Vor wenigen Minuten hatte ich noch meine Mutter und jetzt war sie weg – für immer. 58 Jahre hatte ich meine Mutter und nun, einfach so und so völlig unerwartet, war sie für immer weg. Das wollte nicht in meinen Kopf.

            Am nächsten Morgen musste ich reden. Ich rief meine beste Freundin an. Sie kennt Ellen und empfahl mir, sie anzurufen. Das war das aller Beste, was ich tun konnte, denn was ich da erlebte, war wie eine göttliche Fügung; so als sollte es so sein. Ich hatte mit Ellen ein sehr  langes Gespräch, in dem ich über ALLES sprach, was mich mit Mama verband und wo wir auch unsere Schwierigkeiten miteinander hatten. Ellen war so liebevoll und ein ganz aufmerksamer, verständnisvoller Zuhörer. Sie war es auch, die mir erklärte, was da eine Stunde vor Mamas Tod mit ihr passiert war und machte mir deutlich, welch großes Geschenk ich da erhalten hatte. Ja, das war ein wirklich großes Geschenk, denn wer erlebt es schon, wenn die Seele geht? Mich beruhigte diese Information sehr und machte mich, trotz all meiner Trauer, geradezu glücklich.

Es folgten weitere Gespräche in ihrer Praxis. Hier arbeitete ich alles auf, was mich mit Mama verband und auch trennte. Ich erarbeitete zum Beispiel in einer Art Kollage, was mir Mama bedeutete, wo sie mir überall geholfen hatte, wie sehr ich mich auf sie in den verschiedensten Situationen fest verlassen konnte, was sie mir für meinen Lebensweg mitgegeben hatte und anderes mehr. Wir sprachen aber auch über die konfliktbeladenen Situationen, über unsere gegenseitigen Fehler und erlebten Verletzungen. Ich wurde mir bewusst, wie oft sich Mama durch mich verletzt, missverstanden, geärgert gefühlt hatte, was ich nun aber nicht mehr gut machen konnte. Es flossen viele Tränen, weil ich so viele Situationen verpasst hatte, die ich selbst hätte viel schöner gestalten können, um sie mit ihr zu erleben. Diese Selbstreflexion war die schlimmste, weil schmerzhafteste Phase meiner Heilung.

Ganz liebevoll ging Ellen hier auf mich ein, gab mir viel Trost und viele positive Gedanken. Letztendlich konnte ich Mama in völligem Frieden mit ihr und mit mir selbst gehen lassen.  

Unterstützt hat Ellen mich auch mit ihren verschiedensten Körpertherapien, die immer abgestimmt waren auf unser jeweiliges Thema und meine körperlichen Reaktionen. Mit dem Tod meiner Mutter stellte sich nämlich auch eine Vielzahl an körperlichen Beschwerden ein. Letztendlich habe ich alle Formen der Körpertherapien miterlebt. Die liebevollen Körperstreichungen, die verschiedenen Massagen, die sanften Berührungen an meinem Kopf, die wohlriechenden Düfte der Öle, all das waren richtig wohltuend, entspannend, aufbauend, kraftgebend und Mut machende Anwendungen.  

Ich kann nur sagen: Egal, was Ellen mit meinem Körper machte, es war fantastisch und tat auch meiner Seele gut: Die Schwere meiner Gedanken ging völlig weg, der Körper fühlte sich wieder leicht an, meine Füße und Beine trugen wieder meinen Körper, meine ganze Muskulatur war gelöst, ich konnte wieder tief ein- und ausatmen, konnte endlich wieder gut ein- und durchschlafen, war morgens fit für den Tag, war endlich wieder in der Lage, alle beruflichen und privaten Aufgaben zu erledigen und erfreute mich wieder an den schönen Dingen meines Lebens."